Tageslicht am Arbeitsplatz wird in Ausschreibungen oft als Nice-to-have behandelt — etwas, das man einplant, wenn Budget und Grundstück es zulassen. Beim Bürohaus Isarufer war es umgekehrt: eine Vorgabe des Bauherrn, an der sich die gesamte Kubatur ausrichten musste.
Der naheliegende Weg zu einem wirtschaftlichen Bürohaus ist ein tiefer, kompakter Baukörper — weniger Fassadenfläche pro Quadratmeter Nutzfläche, geringere Baukosten. Das Problem: Bei üblichen Gebäudetiefen erreicht Tageslicht selten mehr als sechs bis acht Meter in den Raum. Alles dahinter braucht Kunstlicht, dauerhaft.
Unsere Lösung war ein Riegel mit versetzten Split-Level-Ebenen statt eines durchgehend tiefen Baukörpers. Jede Ebene ist gegenüber der nächsten leicht verschoben, sodass kein Arbeitsplatz weiter als acht Meter von einem Fenster entfernt liegt — bei 120 Arbeitsplätzen im gesamten Haus eine Tageslichtquote von 100 %, ohne dass die umbaute Fläche größer wurde als bei einem konventionellen Riegel.
Die Kehrseite von mehr Fensterfläche ist sommerliche Überhitzung. Die Südfassade trägt deshalb ein feststehendes Lamellenraster, das die tief stehende Wintersonne hereinlässt, die hochstehende Sommersonne aber abhält — ganz ohne bewegliche Technik, die gewartet werden müsste. Die Aussicht auf die Isar bleibt dabei erhalten, das Raster ist grobmaschig genug, um den Blick nicht zu zerschneiden.
Zertifiziert wurde das Ergebnis mit DGNB Gold — für uns aber war die eigentliche Bestätigung etwas Einfacheres: Bei der Nachbegehung ein Jahr nach Bezug war an einem sonnigen Nachmittag im gesamten Haus kein einziges Kunstlicht eingeschaltet.