Forma Atelier

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März 2026 · 6 Min.

Warum wir bei Sanierungen zuerst die Statik prüfen, nicht das Design

Villa Nymphenburg

Bei jeder Sanierungsanfrage hören wir zuerst dieselbe Frage: „Was können wir aus dem Grundriss machen?“ Unsere erste Antwort ist fast immer unbefriedigend: „Das wissen wir noch nicht — wir müssen erst die Statik verstehen.“ Das klingt nach einer Ausrede für Langsamkeit. Ist es nicht. Es ist der Unterschied zwischen einem Entwurf, der auf dem Papier funktioniert, und einem, der tatsächlich gebaut werden kann.

Bei der Villa Nymphenburg, einer Gründerzeitvilla von 1898, war der Bauherrenwunsch klar: ein offener, heller Koch- und Wohnbereich zur Gartenseite. Der naheliegende Entwurf hätte zwei tragende Innenwände entfernt. Erst die statische Voruntersuchung zeigte, dass eine davon einen Teil der Dachlast über drei Geschosse ableitet — ein Rückbau hätte einen aufwendigen Stahlträger und eine neue Gründung im Keller erfordert, weit außerhalb des Budgets.

Die tatsächliche Lösung kam aus dieser Einschränkung heraus, nicht trotz ihr: Statt die Wand zu entfernen, haben wir sie zur Raumtrenner-Skulptur gemacht — teilweise geöffnet mit einem Stahlrahmen-Durchbruch, der die Last umleitet, ohne die komplette Wand zu opfern. Der Raum wirkt offen, ist es aber nur dort, wo es statisch und wirtschaftlich sinnvoll war.

Das Ergebnis: eine um rund 65 % reduzierte Energiebilanz durch Innendämmung und eine neue Wärmepumpe im ehemaligen Kohlekeller, ein rückseitiger Glasanbau als neue Küche, der die historische Substanz ergänzt statt sie zu verändern — und ein Umbau, der genau einmal geplant und nicht während der Bauphase notdürftig umgeplant werden musste, weil die technischen Zwänge von Anfang an feststanden.

Unsere Regel für jede Sanierung: Erst verstehen, was das Gebäude erlaubt. Dann entwerfen, was daraus das Beste macht. Nicht umgekehrt.

Zum Projekt: Villa Nymphenburg